50 Jahre Velden–Roana: Eine Freundschaft, die weiterwächst
von Heike Arnold
50 Jahre Velden–Roana: Eine Freundschaft, die weiterwächst
Drei Tage lang feierten Velden und Roana das 50-jährige Bestehen ihrer Gemeindepartnerschaft. Dabei wurde viel zurückgeblickt – vor allem aber deutlich, dass diese Freundschaft mit einer neuen Generation in die Zukunft geht.
Es gibt Jubiläen, bei denen vor allem Zahlen, Jahresdaten und Erinnerungen im Mittelpunkt stehen. Und es gibt Jubiläen, bei denen plötzlich spürbar wird, dass eine vor Jahrzehnten entstandene Idee noch immer lebt.
Das Wochenende zum 50-jährigen Bestehen der Gemeindepartnerschaft zwischen Velden und Roana gehörte eindeutig zur zweiten Kategorie.
Freitag: „È bello rivedervi!“
Am Freitagabend gegen 19 Uhr rollte der Reisebus mit den Gästen aus Roana in Velden ein. Schon die Begrüßung zeigte, dass hier nicht einfach eine offizielle Delegation zu Besuch kam. Es wurde umarmt, gelacht, Hände wurden geschüttelt und immer wieder war zu hören: „Molto piacere!“ und „È bello rivedervi!“ – Schön, euch wiederzusehen!
Die Partnerschaftsreferenten des Marktes Velden, Zweite Bürgermeisterin Melanie Nagy und Marktgemeinderat Thomas Göbel, hatten den Auftakt vorbereitet. Unterstützt von Mitgliedern der Aktiven Bürger Velden gelang ein herzlicher und unkomplizierter erster Abend.
Alte Bekannte fanden sich wieder, andere begegneten sich zum ersten Mal. Und bereits hier zeigte sich etwas, das das gesamte Wochenende prägen sollte: Die Verbindung zwischen Velden und Roana besteht längst nicht mehr allein aus offiziellen Kontakten zwischen zwei Kommunen. Aus vielen Begegnungen sind persönliche Beziehungen und Freundschaften geworden.
Samstag: 50 Jahre Geschichte – und der Blick nach vorn
Der festliche Höhepunkt folgte am Samstagabend im gut gefüllten Bürgersaal. Vertreter aus Politik, Vereinen und gesellschaftlichem Leben feierten gemeinsam mit den italienischen Gästen ein halbes Jahrhundert Gemeindepartnerschaft.
Grußworte richteten Bundestagsabgeordneter Florian Oßner, die stellvertretende Landrätin Claudia Geilersdorfer, Veldens Erster Bürgermeister Marcel Zviedris und Alessio Fabris für die Gemeinde Roana an die Gäste.
Dabei führte der Blick zwangsläufig zurück ins Jahr 1976. Der damalige Landrat Hans Geiselbrechtinger, Veldens Bürgermeister Josef Kerscher und Hugo Resch gehörten auf deutscher Seite zu den treibenden Kräften. In Italien fanden sie unter anderem in Sergio Bonato und der Familie Azzolini engagierte Mitstreiter. Bereits am 12. September 1976 konnte die Partnerschaft offiziell besiegelt werden. Grußwort zum Festabend am 26.09…
Ihre Motivation reichte weit über gegenseitige Besuche hinaus. Die Generation der Gründer hatte Krieg und Zerstörung in Europa selbst erlebt. Verständigung, Begegnung und Freundschaft über Grenzen hinweg waren deshalb auch ein Beitrag zu Frieden und europäischer Zusammenarbeit. Grußwort zum Festabend am 26.09…
Auch die gemeinsamen zimbrischen Wurzeln spielten von Beginn an eine wichtige Rolle. Alessio Fabris erinnerte an einen bemerkenswerten Satz Sergio Bonatos aus dem Jahr 1974:
„Contrariamente ad ogni pericolo di isolazionismo, il cimbro ci spinge e ci unisce al cuore dell’Europa.“
Die zimbrische Sprache, einst auch mit Ausgrenzung und Armut verbunden, wurde damit zur Brücke nach Europa.
Eine neue Generation übernimmt
Doch der Festabend blieb nicht in der Vergangenheit stehen. Im Gegenteil: Gerade der Generationenwechsel auf beiden Seiten war deutlich zu spüren.
Marcel Zviedris brachte dieses Gefühl in seinem Grußwort auf den Punkt:
„Auf beiden Seiten streckt nun die nächste Generation überzeugter Europäer die Hände aus und versucht, die Freundschaft noch intensiver aufleben zu lassen!“
Dass Nina Geiselbrechtinger, die Tochter des früheren Landrats und Mitinitiators Hans Geiselbrechtinger, an diesem Abend gemeinsam mit Marcel Zviedris auf der Bühne stand, verlieh diesem Gedanken zusätzliche Symbolkraft: Eine Geschichte, die vor 50 Jahren begonnen wurde, wird von einer neuen Generation weitergetragen.
Und dafür gibt es bereits konkrete Pläne. Das in Roana unterzeichnete Kooperationsprotokoll 2026–2029 sieht gemeinsame Aktivitäten in Kultur und Identität, Jugend und Bildung, nachhaltigem Tourismus sowie Innovation und europäischer Zusammenarbeit vor. Auch gemeinsame Förderprojekte sind vorgesehen.
Wie selbstverständlich die nächste Generation Grenzen überwinden kann, zeigten ausgerechnet die Jüngsten. Die Kinder aus Velden und Roana verbrachten den für sie sicher langen Festabend gemeinsam mit dem Ausmalen von Pokémon-Motiven. Unterschiedliche Sprachen schienen dabei überhaupt kein Hindernis zu sein. Und später halfen sie – wie bereits am Vorabend – ganz selbstverständlich beim Abräumen von Tellern und Gläsern.
Auch musikalisch gehörte der Abend der nächsten Generation: Die Jugendkapelle Velden unter Leitung von Silvia Beigl sorgte für eine hervorragende musikalische Umrahmung und wurde damit selbst zu einem schönen Symbol für die Zukunft.
Spanferkel und weitere kulinarische Schmankerl, ein engagiertes Team am Ausschank und viele helfende Hände im Hintergrund machten aus dem offiziellen Festakt schließlich einen geselligen Abend unter Freunden.
Sonntag: Zwei Sprachen, ein Gottesdienst
Der Sonntag begann um 10.15 Uhr mit einem zweisprachigen Gottesdienst.
Eigens zu diesem Anlass war Don Lino aus Roana nach Velden gekommen. Gemeinsam mit Diakon Josef Breiteneicher gestaltete er den Gottesdienst.
Und noch einmal gab es eine besondere Überraschung: Marco Aganetti, der junge brasilianische Musiker mit zimbrisch-italienischen Wurzeln, übernahm die Übersetzung für Don Lino. Wenige Tage zuvor hatte er in Velden noch am Klavier begeistert – nun wurde er auf ganz andere Weise zum Brückenbauer zwischen Menschen und Sprachen.
Die Lesungen sprachen Hildegard und Johannes Köck, musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst vom Wurmshamer Männerchor.
Danach traf sich die deutsch-italienische Gesellschaft am Stand der Bergfreunde. Von dort ging es gemeinsam auf eine kleine „Wanderung“ durch den Markt Velden – molto lentamente, wie es sich nach zwei langen gemeinsamen Abenden wohl gehörte.
Und schließlich zeigte sich der bayerische Spätsommer noch einmal von seiner schönsten Seite.
Bei strahlend blauem Himmel wurde auf dem Rathausplatz gemeinsam Brotzeit gemacht:
„Un picnic in piazza del Municipio con panini e Hohenthanner birra.“
Viel mehr brauchte es in diesem Moment nicht. Man saß zusammen, erzählte, lachte und genoss die letzten gemeinsamen Stunden.
Arrivederci, amici!
Gegen 14 Uhr hieß es schließlich Abschied nehmen.
Hinter den Gästen aus Roana und ihren Veldener Freunden lagen drei Tage voller Begegnungen: feierliche und fröhliche, geplante und spontane, zwischen Politikern und Vereinsvertretern, alten Freunden und neuen Bekannten – und zwischen Kindern, die keine gemeinsame Sprache brauchten, um miteinander Spaß zu haben.
Vielleicht liegt gerade darin die schönste Bilanz dieses Jubiläums.
Vor 50 Jahren haben Menschen den Grundstein für diese Partnerschaft gelegt, deren eigene Lebenserfahrung noch von Krieg und einem geteilten Europa geprägt war. Ihr Vermächtnis anzuerkennen bedeutet heute nicht, ihre Geschichte lediglich zu bewahren.
Es bedeutet, ihre Idee weiterzutragen.
Das Jubiläumswochenende hat gezeigt, dass dafür eine neue Generation bereitsteht – auf beiden Seiten der Alpen.
Marcel Zviedris sagte am Festabend:
„Die Geschichte zwischen unseren Gemeinden ist nach 50 Jahren noch lange nicht zu Ende geschrieben!“
Nach diesen drei Tagen in Velden darf man wohl hinzufügen:
Ein neues Kapitel hat gerade erst begonnen.
Arrivederci, cari amici. Grazie per questi giorni insieme – e a presto!
Und ein herzliches „Scusi“ an alle, die in diesem Bericht nicht namentlich erwähnt werden konnten: Auch sie haben mit Gastfreundschaft, Ideen, Musik, Organisation und vielen helfenden Händen dazu beigetragen, aus einem 50-jährigen Jubiläum drei wunderbare Tage unter Freunden zu machen.